Sozialkompetenz und die Polizei

Am Wochenende wurde ich Zeuge polizeibeamtlicher Sozialkompetenz:

Vor mir beginnt der Verkehr zu stocken. Autos werden langsamer – Warnblinklicht. In der Ferne zieht dichter Rauch über die Fahrbahn. Auf dem Standstreifen ein brennendes Auto. Dahinter Vater und Sohn, die eilig ihr, vermutlich aus dem Kofferraum geborgenes Hab und Gut in einen Müllsack stopfen.
Ich habe angehalten und nachgesehen, ob ich helfen kann. Viel war nicht zu tun. Alle Insassen raus, ein zweiter Wagen angehalten, Feuerwehr gerufen – was blieb, war das Warndreieck aufzustellen (eigentlich ziemlich sinnlos, da sich ohnehin alle Fahrstreifen bereits gestaut hatten).
Also hieß es warten, bis Feuerwehr und Polizei kamen. Die Feuerwehr war erstaunlich schnell und ein Zugführer sprach dann auch direkt den Vater an, nahm ganz kurz die Daten auf, um sich dann wieder seinen Kollegen zu widmen.
Dann kam die Polizei. Zwei ca. 50-jährige „gemütliche“ Polizisten stiegen aus. Der eine nahm die Daten des Vaters auf, der andere begrüßte die Feuerwehrkollegen. Nach ca. 1-minütigem Faktenaustausch und der Frage „ADAC, ACE oder egal?“ stiegen beide wieder in ihren Dienstwagen und Nr.1 fing an zu rauchen (darf man das in einem Dienstwagen?).

Um ehrlich zu sein: Ich war irritiert. Nicht unbedingt, weil mit mir als „Ersthelfer“ kein Wort gewechselt wurde – mir ist schon klar, dass an einem Unfallort andere Dinge wichtiger sind und ein Schulterklopfen habe ich auch nicht gebraucht.
Verwundert war ich, dass man den armen Menschen, der nicht nur sein Auto verloren, sondern auch das, seinem Sohn versprochene Fußballspiel verpasst hatte, einfach so stehen ließ. Abgesehen davon, dass man – vermutlich zurecht – in seiner Erste-Hilfe-Ausbildung lernt, dass man Unfallopfer nicht einfach unbetreut stehen lässt, damit sie im Schock keinen Unfug anstellen. Ich finde es gebietet einem Empathie und Menschenkenntnis, dass man einen Menschen in Not an seiner Routine als Polizist teilhaben lässt – eben nach dem Motto „haben wir täglich, zahlt alles die Versicherung…“.

Ich jedenfalls dachte mir: „Naja, wenn mich hier keiner braucht und diese Situation anscheinend nicht besonders genug ist, um darauf in irgend einer Weise zu reagieren, dann kann ich ja wohl mal mein Warndreieck wiederholen.“ Dass es unnötig ist, dafür um Erlaubnis zu bitten, brachten mir die Polizisten dann mit ihrem Blick unmissverständlich nahe, als ich an ihrem Autofenster klopfte, um mich rückzuversichern. Auch auf meine Frage, ob ich denn dann jetzt wieder weiter fahren darf, erhielt ich keine nennenswerte Antwort – oder zählt ein kurzer Blick schon dazu?

Und zu guter letzt wurde ich dann auf meinem weiteren Weg geblitzt. Schade, es war nur ein stationärer Blitzer. Wäre ich rausgewunken worden, ich hätte eine Antwort auf die Frage gehabt, wo ich mit meinen Gedanken war…

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One Response to Sozialkompetenz und die Polizei

  1. Rob sagt:

    Ich habe nachgesehen: Auf der Homepage der Polizei Niedersachsen taucht das Wort „Sozialkompetenz“ nur im Zusammenhang mit Präventionsprogrammen für Bürger auf…

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