Rundfunkgebühren

Ja, ich gestehe es: Ich zahle Rundfunkgebühren.

Was sich jetzt hier in Form einer Kolumne als humoristisches Geständnis aufziehen ließe, ist schlicht Fakt. Da dieser Fakt auf eine Großteil der bundesdeutschen Bevölkerung zutrifft und daher kaum als etwas Besonderes herausgestellt werden kann, eignet er sich auch nicht als Sensationsmeldung. Mutiger wäre sicherlich von einem „neuartigen Rundfunkempfangsgerät“ aus zu verkünden, dass man sich der Gebührenpflicht aus Überzeugung widersetzt.

Was ist es also, was mich die Mühe in Kauf nehmen lässt, darüber zu schreiben?
Da wäre zum einen der nicht zu verachtende Drang sich der, auf mich wartenden Hausarbeit erneut zu widersetzen. Daneben macht es für mich aber einen erheblichen Unterschied, ob ich Gebühren aus Angst vor (Straf-)Verfolgung (und ja, so muss man das wohl nennen), schlichter Selbstverständlichkeit und Hörigkeit zahle, oder eben aus Überzeugung. Letzteres trifft nämlich auf mich zu.
Ich finde es legitim, für eine erbrachte Leistung auch zu bezahlen. Und ja, das heißt auch, dass ich wo immer möglich auf Raubkopie oder kino(x).to verzichte. Auf meinem PC findet sich keine illegal erworbene Software. Genausowenig beschäftige ich einen Handwerker und werfe ihn dann ohne Entlohnung heraus. Wenn ich bei IKEA ein Möbel für einen Preis erwerbe, der nur mit Raubbau und „Sklaven“arbeit erreicht werden kann, dann darf ich ein schlechtes Gewissen haben, ja. Es gebieten Anstand, Moral und Ehre nicht die Zeche zu prellen.

Warum aber fällt das vielen Menschen so schwer, wenn es um Rundfunkgebühren geht? Einige Hypothesen:

  1. Der Zusammenhang zwischen Leistung und Preis ist diffus. Fernsehen ist zur Selbstverständlichkeit geworden und der Produktionsaufwand ist nicht ersichtlich.
  2. Man will nicht für nicht gewünschte Leistung zahlen. Warum sollte ich auch den Musikantenstadl finanzieren?
  3. Es geht um Protest vor Establishment und GEZ. Niemand will einem System Geld geben, dass Verfolgung, Druck und Persönlichkeitsrechtverletzung billigt oder sogar vorsieht.
  4. Es gibt eine Gewöhnung an „Gratis“. Die Unzahl an werbefinanzierten Daten-gegen-Spielerei-Angeboten erweckt den Eindruck, alles ist umsonst zu haben.
  5. Finanzielle Not: Schlicht nicht genug Geld, um die Gebühren zu zahlen.

Alles gute Gründe, warum also zahle ich doch?

Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Fernsehlandschaft (ich beschränke mich hier einmal auf bewegte Bilder) ohne den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ärmer wäre. Arm an Substanz, Ernsthaftigkeit, Realismus, Information und arm an Kultur.
Ich komme jetzt bereits seit vier Jahren sehr gut ohne Fernseher aus und besuche ausschließlich die Mediatheken von ARD, ZDF und Co. Wenn ich dann doch einmal an privates Fernsehprogramm gerate, wird mir der qualitative Unterschied immer mehr bewusst: Es tut schlichtweg im Kopf und Herzen weh, einen Tag lang RTL zu gucken. Ich bekomme dabei richtig schlechte Laune.

Und die Alternative wird immer besser: ARD und gerade ZDF bieten mittlerweile eine immer größer werdene Auswahl an guten, kreativen, substanziellen und aufwändig produzierten Sendungen an. Und dazu kommen einige Formate, die ohne öffentliche Finanzierung wahrscheinlich keine Chance hätte – entweder, weil sie zu experimentell, zu wenig Mainstream oder schlicht unausgereift sind (ausreifen kann einiges aber eben nur in der Praxis).

Hier ein kleiner Überblick, über meine Lieblingssendungen – zunächst die ARD:

Manchmal ziemlich teenie-bezogen, aber hin und wieder hat man Glück und hat interessante Beiträge aus der Popkultur.

 

 

Skandaljournalismus, oder einfach nur eine gute Dokumentation – ich stehe drauf.

 

 

 

Mittlerweile ohne Tobias Schlegl und ein Bisschen Ersatz dafür, dass Harald Schmidt die ARD verlassen hat. Kurzweilige Satire.

 

 

Ja, manchmal geht es einem ganz schön auf den Zeiger, dass die immer so tun müssen, als wären alle Zuschauer furchtbar naiv. Trotzdem gut.

 

 

Ein Bisschen Stern-, Spiegel- und Focus-TV für Gebührenzahler.

 

 

 

Wenn man mal wieder Lust auf schlechte Laune und Skandale jeder Art hat, oder sich schlicht ein Bisschen links fühlen will.

 

 

Mal megaschlecht, mal supergut – Plattform für Nachwuchs-Comedians.

 

 

 

War in meiner Erinnerung zwar früher besser, dafür senden die gerade in der Sommerpausen die Wiederholungen der „Quarks & Caspers“-Folgen.

 

 

Dokumentationen und Reportagen. Muss sicherlich nicht alles interessieren, gibt einem aber das Gefühl sich zu bilden.

 

 

Habe ich schon gesagt, dass ich Satire super finde?

 

 

 

Abgesehen davon, dass es einfach schön ist, hat mir Christoph erklären können, was das für komische Bällchen in Sardinien am Strand waren. Ach ja und Ralph Caspers ist jetzt mit dabei.

 

 

Der Kultur-Vorschlaghammer. Das ist immer der Moment, wo ich mich ärgere, dass in der Nähe von Hohegeiß kein Programmkino ist.

 

 

Muss ich nichts zu sagen – Ralph Caspers at his best! (Schade, dass die „Spätausgaben“ nicht mehr abrufbar sind.)

 

 

Das Format, was immer neues Öl in meine Meinung von Privatsendern gießt.

 

 

Götz Alsmann und Christine Westermann haben sich bewusst gegen einen besseren Sendeplatz entschieden – super!

 

 

Dann wären da halt noch die Sendungen, die es nicht mehr in der Mediathek gibt: „Harald Schmidt“, „Rockpalast„, „Entweder Broder„, „Du bist kein Werwolf“ und einige mehr. Zum Glück hilft hier oftmals Youtube weiter…

 

So, jetzt ZDF (kleiner nur, weil die Bilder in der entsprechenden Mediathek kleiner sind, nicht wegen weniger Bedeutsamkeit):

„Bauerfeind“ ist Netz- und Popkulutur. Bunte Mischung aus Technik, Musik, Kunst, Gesellschaft. Super.

 

 

„Deutschland von oben“ – schöne Bilder.

 

 

„Der Marker“ ist ein Bisschen wie „Bauerfeind“ – experimenteller, dadurch manchmal aber auch peinlich.

 

 

Ich stehe auf Geschichte. Wenn man dann noch endlich einen Schulwissen mit schönen Bildern auffrischen kann . super.

 

Dokumentationen – siehe oben.

 

 

Der „Elektrische Repoter“ ist mit mein Lieblingsformat. Die kreative Pause hat Mario Sixtus gut getan. Insbesondere Uebermorgen.tv ist sehr anregend.

 

Pendant zu „Monitor“.

 

 

„Wild Germany“ – kann man nur spät abends gucken.

 

 

Ja, ich stehe auf Geschichte…

 

 

Eigentlich ein eigener Sender, aber hierunter finden sich tlw. coole Dinge. Z.B. gerade aktuell: 4 Stunden vom Wacken.

 

Zwar habe ich seit längerer Zeit schon kein PC-Spiel mehr gekauft. Es bleibt aber spannend, was sich auf dem Markt so tut – insbesondere, weil es hier auch oft genug um kreative Ideen geht.

 

„Ohne Geld bis ans Ender der Welt“.

 

 

Leider mittlerweile eingestellt, aber immernoch sehenswert.

 

 

Regie bei „Stuckrad Late Night“ hat Christian Ulmen. Stuckrad geht mir ziemlich auf den Zeiger, aber das Format ist soweit ganz gut.

 

 

Ich habe schon gesagt, dass ich auf Geschichte stehe, oder?

 

 

Wenn bei „die story“ (s.o.) mal nichts dabei ist…

 

 

Auch im ZDF gab es sicherlich eingestellte Formate, ich kann mich aber gerade nicht erinnern…

 

So. Wenn das nicht 5,76 € im Monat wert ist.

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4 Responses to Rundfunkgebühren

  1. Joe sagt:

    Rockpalast kannst du dir auf der Rockpalast Seite angucken, quasi direkt nach der Ausstrahlung: http://www.wdr.de/tv/rockpalast/ TOP!

    • Anonymous sagt:

      Ja, leider aber auch nicht immer sooo lange. Und bis ich den ganzen Kram oben durchgeguckt habe, gibt schon wieder was Neues…
      Guckst du dir die ZDF Wacken-Übertragungen an, oder hörst du mittlerweile Biffy Clyro und Co?

      • Anonymous sagt:

        Ich höre weiterhin alles was gut ist (und das sind immernoch mindestens 60% Metal :), Wann läuft die denn? Der Ndr hat auch den Knorkator Auftritt vom Wacken übertragen, beim Rockpalast hab ich mir neulich die diesjährigen RockHard Open Air Sendung angeguckt, sehr empfehlenswert!

  2. Joe sagt:

    Aber das neue Biffy Clyro Livealbum ist auch zu empfehlen 🙂

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