Ästhetik des Krieges

Kann und darf ich Krieg als etwas ästhetisches bezeichnen?

Wenn man die Bilder von Anja Niedringhaus sieht, drängt sich diese Frage auf. Und obwohl es in diesem Beitrag (ca. 5min) auch um Leid geht und die Fotografin mit ihren Bildern wachrütteln will: In meinen Augen erreicht sie etwas anderes.
Vielleicht weil ich abgestumpft bin – vielleicht durch Pressebilder, nicht enden wollende Kriege, vielleicht auch durch Computerspiele. Aber in erster Linie dadurch, dass die Fotos einfach „schön“ sind.

Mehr davon auch bei der FAZ.

Schockierend, wie alltäglich das Leid anderer Menschen ist und wie man am PC sitzt und einfach denkt: beeindruckend. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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2 Responses to Ästhetik des Krieges

  1. janheinecke sagt:

    Susan Sontag in „Das Leiden andere Betrachten (89f.):

    „Kunst tut ebendies: sie formt um – aber Fotografie, die von Katastrophen und anderen Übeln Bericht erstattet, wird oft kritisiert, wenn sie „ästhetisch“, das heißt, zu sehr wie Kunst wirkt. Das Doppelpotential der Fotografie – dass sie imstande ist, Dokumente hervorzubringen und Bildkunstwerke zu schaffen – hat Anlass zu einigen erstaunlichen Übertreibungen hinsichtlich dessen gegeben, was Fotografen tun oder lassen sollen. Die Übertreibung die uns in letzter Zeit am häufigsten begegnet, besteht darin, die beiden Potentiale der Fotografie als gegensätzliche Kräfte zu betrachten. Fotografien, die Leiden darstellen, sollen nicht schön sein, so wie Bildlegenden nicht moralisieren sollen. Ein schönes Foto entzieht nach dieser Auffassung dem bedrückenden Bildgegenstand Aufmerksamkeit und lenkt sie auf das Medium selbst, wodurch der dokumentarische Wert des Bildes beeinträchtigt wird. Von einem solchen Foto gehen unterschiedliche Signale aus. Es fordert: Schluß damit. Aber es ruft auch: Was für ein Augenblick!

    Zum Thema Krisengebietsfotografie allgemein (84): „Je weiter entfernt oder exotischer der Schauplatz, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Toten und Sterbenden unverhüllt und von vorn zu sehen bekommen.“

    Einige der bekanntesten Kriegsfotografien sind im übrigen gestellt. Leichen der eigenen Truppen wurden bspw. umgedreht – Patronenhülsen wurden verstreut, damit es wie Krieg aussah. Das war natürlich zu einer Zeit, als die Technik noch nicht ausgreift war – aber heute ist es, denke ich, nicht umbedingt anders. Gerade die nüchternen, angeblich dokumentarischen Fotos, die uns als solche in den Nachrichten verkauft werden, sind meines Erachtens nach am anfälligsten für Manipulation bzw. gestellt. Denn sie sollen im „Subtext“ bestimmte Botschaften mitteilen. Sie stehen harmlos neben Texten, prägen aber unsere ganze Auffassung vom ihm. Menschen wie James Nachtwey oder Anja Niedringhaus sind an so einer Perspektive nicht wirklich interessiert. Ihr Fotos sind auch seltener in Nachrichten zu sehen. Sie spielen mit dem Moment der Ästhetik einer Kriegsfotografie, um eine bestimmte Bedeutungstiefe zu erlangen und zu kommunizieren. Sie gaukeln uns nicht Nüchternheit vor und sind noch wenige daran interessiert, ein Foto zu inszenieren.

    Und zu guter letzt noch einmal Sontag (146):

    „Wir begreifen nicht. Wir können uns einfach nicht vorstellen, wie furchtbar, wie erschreckend der Krieg ist; und wie normal er wird. Können nicht verstehen und können uns nicht vorstellen. Jeder Soldat, jeder Journalist, jeder Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, jeder unabhängige Beobachter, der eine Zeit unter Beschuss verbracht hat und das Glück hatte, dem Tod zu entkommen, der anderen in seiner Nähe ereilte, denkt so und lässt sich nicht davon abbringen. Und sie haben recht.“

    PS: Ein wirklich guter Film zu dem Thema und über die Arbeit von James Nachtwey, ist „War Photographer“.

    • Rob sagt:

      Mann bist du gebildet! Warum weißt du da so gut Bescheid?
      Nein im Ernst: Danke für deine Zeilen, denn sie bestätigen mich in meinem Gefühl, eben weil sie keine klare Antwort geben – abgesehen davon, dass sie meinen kurzen Post um einige Substanz erweitern…
      „War Photographer“ ist als Lesezeichen gespeichert und wird gesehen, sobald dafür die nötige Aufnahmefähigkeit vorhanden ist.

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