Die eierlegende Wollmilchsau…

… ist gescheitert.

Vor einiger Zeit berichtete ich über den Kauf eines iPhones, schrieb jedoch wenig über die Gründe. So viele unterschiedliche mag es da auch nicht geben; ist halt eine praktisch-unterhaltsame Hipster-Spielerei zum Dazugehören.
Für mich war neben all den anderen Gründen insbesondere die Aussicht interessant, alles in einem zu haben – eben die eierlegende Wollmilchsau: Kamera, Kalender, Internet, Datenspeicher, „Walkman“, Wegweiser, Wörterbuch, Lexikon, Spielekonsölchen, Wecker, Fernbedienung, Musikinstrument, Mini-Fernseher, Einkaufshelfer, Taschenlampe und vieles mehr. Ahc ja, und nebenbei noch Telefon.

Der gestrige Morgen (Wow, gibt es für diesen rhetorischen Kunstgriff eine Vokabel?) kann exemplarisch für viele weitere stehen, an denen die Wollmilchsau den Dienst verweigerte.

Um 6 Uhr verließ ich das Haus, stieg in mein Auto und machte mich auf den Weg Richtung Leipzig, um dort einen Tag zu unterrichten. Wohlweislich, dass das mobile Datennetz von O2 nicht das zuverlässigste ist, habe ich das Navigations-App bereits im heimischen WLAN-Bereich die beste Route suchen lassen. (Öfters hatte ich unterwegs Schwierigkeiten eine neue Route zu berechnen, weil keine Verbindung hergestellt werden konnte.)
Umso erstaunter war ich, dass mein mobiler Helfer sich verweigerte. Diesmal jedoch aufgrund fehlender Verbindung ins All – kein GPS-Empfang. Naja, alles schon gehabt; braucht eben manchmal länger. (Wie gut, dass ich zumindest den Weg auf die Autobahn alleine schaffe.) Aber denkste: Ich war eine geschlagene Stunde ohne Verbindung unterwegs – da halfen auch wiederholtes Neustarten und Ausweichversuche auf andere Apps nicht weiter. Wie gut, dass das Old-School-Navi noch unter dem Sitz lag…

Der ungewohnt frühe Tagesbeginn entschädigte mich dann aber für diese Mühen und zwar mit einem meteorologisch-fotogenen Spektakel! Jetzt verstehe ich endlich all die Fotografen, die sich zu nachtschlafender Stunde aus den Federn schleppen, um dann zum Sonnenaufgang den Berggipfel mit ihrem Stativ zu krönen. Zunächst im Mondschein fuhr ich durch die Harzer Wälder.
Pünktlich mit dem ersten blasser Schimmer am Horizont, öffnete sich das Nadelwerk und gab den Blick auf die hügeligen Felder frei. Eine hauchdünne Nebelschicht lag in den Senken und – jetzt kommts! – umspielten die Beine eines weißen Pferdes, das neben der Straße graste.
Auf der Autobahn angekommen weitete sich der Blick auf eine rot glühenden Horizontlinie, die hier und da von einem Strommast (ich wusste nicht, wie fotogen die sein können) durchbrochen wurde. Plötzlich ging es ein Stück bergab und ich fuhr, enttäuscht über den ungewollten Verlust der genossenen Aussicht, in den Nebel hinein.
Meine Fresse! Eine aufgehende Sonne im Nebel ist ungefähr das schönste Licht, was ich mir vorstellen kann: Ein Feuerball, der durch die diesige Luft und die Reflexionen der mikroskopischen Wassertropfen sein Licht in Ringen aus unendlichen Farbnuancen verbreitet. Dafür würde und werde ich ohne jeden Zweifel  ein zweites Mal um 5 Uhr aufstehen…
Die pseudo-poetische Sprachwahl mag übertrieben klingen. Vielleicht schafft sie es aber, das traumhafte Schauspiel zu beschreiben; vielleicht kann sie auch folgenden Gedanken nachempfinden lassen: Scheiß iPhone-Kamera!
Erst für oben stehendes Motiv hat das Licht gereicht und es steht in keinem Verhältnis zu dem, was mit einer besseren und lichtempfindlicheren Kamera möglich gewesen wäre.

Der dritte Fall von Dienstverweigerung ereignete sich dann auf dem Rückweg. Stolz wie Oskar habe ich letzte Woche meine neue Bluetooth-Freisprecheinrichtung (und ich meine wirklich Freisprecheinrichtung nicht Headset) im Auto angebracht und mit dem iPhone gekoppelt. Die 2-stündige Fahrt von Leipzig aus versprach ausreichend Gelegenheit, diese auf Alltagsfähigkeit hin zu testen und so habe ich im Vorfeld noch großspurig behauptet, dass ich während der Fahrt problemlos erreichbar bin.
Bedauerlicherweise rief keiner an. Schade, aber wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, dann muss man wohl selbst tätig werden. Und was war? Nichts. Bzw. genauer: Mehr als nichts. Eine Verbindung wurde hergestellt, aber beiderseitig war nichts zu hören. Super. Also doch wieder mit den umständlich-unbequemen Ohrstöpseln telefoniert.

 

Fazit: Wollmilchsäue sollten nicht auch noch versuchen, Eier zu legen. Denn manchmal reicht es auch, wenn sie einfach eine praktisch-unterhaltsame Hipster-Spielerei zum Dazugehören sind und bleiben.

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