Urlaub und Fotos

Im Urlaub Fotos zu machen, ist immer eine Herausforderung – in vielerlei Hinsicht:

 

1. Fliegen mit Handgepäck

Wer versucht, möglichst günstig weg zu kommen, der muss sich auf Handgepäck reduzieren. Ich habe lange hin und her überlegt, welches Objektiv ich wähle und mich dann schweren Herzens doch für das Kit-Objektiv (17-85mm) entschieden – aus Mangel an gleich flexibler Alternative – und dafür auf Schärfe und insb. die heiß geliebte Lichtstärke und Schärfentiefe von Blende 1.8 verzichtet. Hier und da musste ich also in der Nachbearbeitung etwas in die Trickkiste greifen… und vor Ort – aus Mangel an genügend Kleidung – in stinkende Hosen steigen.
Warum ich auf die beknackte Idee gekommen bin, mein Ladegerät zu Hause zu lassen, ist mir schleierhaft. Vielleicht, weil ich auf den Nervenkitzel stehe… hat gerade so gereicht.

 

2. Mitreisende

Erst letztens ist es mir wieder passiert: Nach einem gelungenen Abend offenbarte mir eine Kollegin, dass sie selbst keine Erinnerungsfotos gemacht hat, weil ich ja die gute Kamera dabei hatte und sicherlich bessere Bilder mache. Abgesehen davon, dass „besser“ immer noch eher eine Frage des persönlichen Geschmacks, als die der guten Kamera ist:
Ich fotografiere eher selten Menschen, weil ich den Moment nicht mag, wenn sie sich dabei „beobachtet“ fühlen. Und ich fotografiere selten Übersichten von großen Situationen. Kurz, ich fotografiere keine guten „klassischen“ Erinnerungsfotos.
Und so spüre ich im Urlaub immer den latenten Druck, (auch) das zu fotografieren, was anderen wichtig ist.

 

3. Ego

Aus irgend einem Grund steckt tief in mir verborgen die Vorstellung, dass Tourismus etwas verwerfliches ist. Touristen tragen Tennissocken in Sandalen, sprechen im Ausland konsequent ihre Heimatsprache, liegen am Pool und lassen sich all-inclusive verwöhnen, stehen an Attraktionen Schlange, die ihr Geld nicht wert sind, applaudieren, wenn der Pilot unerwartet seinen Job gemacht hat und tragen ständig, immer und überall ihre Kamera (vorzugsweise mit Kit-Objektiv) mit sich herum.
Es ist ganz schön schwer zu fotografieren, ohne dabei wie ein Tourist auszusehen, der auf alles draufhält, das irgendwie „so furchtbar süß einheimisch“ aussieht. Und parallel ständig zu denken „Man, hast du einen Vollknall, worüber du dir Gedanken machst.“ macht es nicht gerade einfacher.

 

4. Fehleinschätzungen

In meiner ersten Urlaubswoche war ich auf Sardinien. Das sollte meine „Erlebnisse-mit-Freunden-in-der-Sonne“-Woche sein. Entstanden sind dabei (nach Aussortieren) ca. 500 Bilder. Im Anschluss bin ich dann einen Teil des Rheinsteigs gewandert. Im Rucksack: Stativ, Wechselobjektive, Filter, Ladegerät (!) und allerlei Kleinkram… und ach ja, auch noch eine Wechselhose. Entstanden sind dabei schätzungsweise 25 Bilder (noch habe ich nicht sortiert).
Die Gründe für die eklatante Fehleinschätzung sind klar: Sardinien ist fotogen; das Mittelrheintal nicht weniger, aber jede Ecke sieht aus, als wäre sie schon 5.000x auf einer Postkarte gelandet. Wandern ist ein Full-Time-Job und an jeder Ecke den Rucksack abzusetzen, um sich für einen Perspektivwechsel in den Schlamm zu werfen, ist anstrengend und zeitraubend. Das Wetter wurde zunehmend schlechter und ja, mein ganzes Kamerazeug ist auf Dauer sackenschwer -> frühzeitiger Abbruch.

 

 

In jedem Fall haben sich aber beide Ausflüge gelohnt – und das sicher nicht nur im fotografischen Sinne!

 

 

Hier noch ein paar „Lieblinge“:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch mehr bei flickr

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3 Responses to Urlaub und Fotos

  1. Rob sagt:

    Hey, Artikel Nr. 100!

    Als „richtiger“ Blogger würde ich jetzt sowas pathetisches sagen wie „Danke Leute, für eure Unterstützung.“
    So bleibt es bei einem in sich gekehrten „Ob jetzt wohl mal jemand von den durchschnittlich 200 Klicks im Monat kommentatorische Spuren hinterlässt?“ (Ja, ich weiß, dass 200 quasi nichts ist…)

    • Stefan Betz sagt:

      Hi,

      warum hast du den sowenig Handgepäck mitgenommen, ist das bei deiner Fluggesellschaft so limitiert?
      Selbst Germanwings hat 8kg erlaubt – ich hatte 10,8 kg an Schalter, also Rucksack auf, zwei Objektive in die Handtasche meiner Frau, Kamera in die Hand und nach erneutem wiegen alles wieder verstaut – musst mutiger sein!

      Gruß betrained (flickr)

      • Rob sagt:

        Ja. Tatsächlich war ich ein ganz schöner Feigling. Das Problem: Ohne Waage zu Hause kann man halt auch nur grob schätzen und ich war mir sehr unsicher. Im Endeffekt lag ich ca. 2 Kilo drunter… toll.
        Blöd auch: Meine 50mm-Festbrennweite (von der ist ja oben die Rede) wiegt 130g! Irgendwie muss ich eine ziemliche Blockade im Kopf gehabt haben. Und wie gesagt: Eigentlich sollte ja der zweite mein „Foto-Urlaub“ werden.

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